Unsoziale Digitalisierung? Wir brauchen eine Diskussion über die Schattenseiten digitaler Transformation

Veröffentlicht von am 18. Oktober 2017 · 2 Kommentare

Wenn ich in meinem Bekanntenkreis oder bei meinen Kunden nachfrage, was sie unter Digitalisierung verstehen, höre ich allzu oft: Apps, Onlineauftritt, papierloses Büro und sehr selten, Automatisierung des Back Offices. Alle meinen eigentlich, dass der Kunde digital mit dem Unternehmen interagieren kann.

Das heißt für mich, dass noch nicht Alle die vollen Auswirkungen der – in meinen Augen nicht mehr aufzuhaltenden – Digitalisierung vollumfänglich verstanden haben.

Durch flexible Systeme, End-to-End-Prozessautomatisierung, den Einsatz von Robotern gepaart mit künstlicher Intelligenz etc. sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren nach aktuellen Schätzungen etwa 30 bis 50% aller Arbeitsplätze wegfallen! Nicht irgendwo in Asien oder Südamerika, sondern in Deutschland, direkt vor unserer Haustür. Ein enormer Strukturwandel in einem sehr überschaubaren Zeitraum von maximal zehn Jahren.

Deutschland ist zwar geübt im strukturellen Wandel ganzer Industrien: ob Kohle, Stahl oder Schiffsbau; mittels umfangreicher Subventionen konnte der Verfall ganzer Industrien in die Länge gezogen und dessen Auswirkungen so abgemildert werden.

Dieses Mal wird es meiner Meinung nach anders sein. Auch in Deutschland wird einem so massiven und kurzfristigen Wandel, nicht ohne Weiteres beizukommen sein. Massenarbeitslosigkeit und in der Folge eine weitere Spaltung der Gesellschaft sind potentielle Folgen.

Die Erträge aus den wirtschaftlichen Handlungen bleiben gleich, werden aber nun anders verteilt. Unternehmer werden reicher, Angestellte und Arbeiter arbeitslos.

Diese Schattenseiten der Digitalisierung werden aus meiner Sicht noch zu wenig in der allgemeinen Diskussion reflektiert. Es wird bei allem Optimismus nicht so sein, dass die durch die Digitalisierung freigesetzten menschlichen Kapazitäten umgewidmet und für smartere, nur durch den Menschen zu lösenden Aufgaben genutzt werden.

Gesamtwirtschaftlich werden wir uns u.a. mit folgenden indirekten Auswirkungen der Digitalisierung konfrontiert sehen:

  1. Massiv ansteigende Transferleistungen
  2. Sinkende Löhne aufgrund eines Überangebots von Arbeitskräften
  3. Steigende Unzufriedenheit bei allen Nicht-Unternehmern

Eigentlich sollen Unternehmensberatungen vor Allem Effizienzen heben und sich keine Gedanken um gesamtwirtschaftliche oder gar sozialökonomische Auswirkungen machen.

Wir haben uns bei ARKADIA von Beginn an als „außergewöhnliche“ Unternehmensberatung gesehen, die bei allem Effizienzstreben auch den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt von Veränderungsprojekten stellt.

Haben wir deshalb bereits eine fertige, pauschale Lösung für diese beachtliche Veränderung im Arbeitsleben von Millionen von Arbeitnehmern? Sicher nicht. Wir legen jedoch bei unseren Projekten zur Digitalen Transformation sehr viel Wert auf den Faktor Mensch – Change Management / Veränderungsmanagement war nie wichtiger als heute.

Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht an der Zeit, dass eine ganzheitliche, gesellschaftliche Diskussion entbrennt, die auch die negativen Folgen der Digitalisierung schonungslos benennt und Lösungen hierfür erarbeitet, jenseits aller Technik- und Fortschrittsbegeisterung, die wir sicherlich als Unternehmensberater teilen.

Teilen Sie diesen Artikel:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •