Digital Productivity Tools – Pomodoro vs. Flow – zwei Produktivitätstechniken und ihre Anwendungsfelder

Veröffentlicht von am 20. Juli 2017 · Kommentieren

Digital Productivity Tools

Im letzten Beitrag haben wir die Wichtigkeit von “Deep Work”-Phasen für hochwertige Arbeitsergebnisse hervorgehoben. Wie diese Phasen in der Praxis möglichst produktiv genutzt werden können, wird in diesem Artikel konkret ausgeführt.

Voraussetzung ist zunächst, dass Sie in Ihrem Arbeitsalltag unterbrechungsfreie Zeitabschnitte einrichten und zumindest eine halbe Stunde am Stück ohne E-Mails und Meetings blocken können. Da der durchschnittliche Arbeitnehmer laut Studien alle 11 Minuten unterbrochen wird, ist dies leichter geplant als umgesetzt.

Mit einem Tomaten-Wecker die Produktivität steigern

Ein handelsüblicher Küchenwecker in Tomaten-Form stellt das Ursprungs-Gadget für eine der effektivsten Produktivitäts-Methoden dar: Die „Pomodoro-Technik“, benannt nach dem italienischen Wort für Tomate, basiert auf dem simplen (und empirisch belegten) Gedanken, dass sich Menschen besser konzentrieren können, wenn sie regelmäßig Pausen machen. Auf 25 Minuten fokussierter Arbeit folgen fünf Minuten Unterbrechung, in denen der Arbeitende kurz durchschnaufen und die Gelenke knacken lassen kann. Anschließend geht es weiter, bis nach vier Zyklen (oder „Pomodoros“), eine längere Pause von 20 Minuten eingeplant ist. Gestoppt wird alles mit dem Küchenwecker, der am Ende jeder Einheit vernehmlich bimmelt und so entweder Pause oder Arbeitsphase einläutet.

Wie bei den meisten erfolgversprechenden Produktivitäts-Techniken liegt die Schönheit in der einfachen Anwendbarkeit: Genaugenommen muss nicht einmal mehr mit Küchengeräten hantiert werden – zahlreiche Apps wie Be Focused, Focus Keeper, oder die von mir genutzte Flat Pomodoro  erfüllen den gleichen Zweck. Die genannten Apps zeichnen sich aus durch ansprechendes Design und personalisierbare Funktionen: Sei es im Hinblick auf die Zyklen (statt 25 Minuten Arbeitszeit und fünf Minuten Pause sind auch 45 Minuten Arbeitszeit und zehn Minuten Pause denkbar) oder einem Uhrenticken als Pausenglocke.

Spielende Kinder und komponierende Musiker verbindet der Flow

Aus der Psychologie kommt eine ganz andere Produktivitäts-Methode, geprägt von dem Ungarn Mihaly Csikszentmihalyi: Flow. Ursprünglich beschäftigte sich dieser mit der abstrakten Fragestellung, was Menschen glücklich macht. Untersuchungsgegenstand waren – von Csikszentmihalyi bewusst gewählt – Künstler und Musiker, unter denen sich viele einer Aktivität hingeben, von der sie weder Ruhm noch Reichtum zu erwarten haben. Csikszentmihalyi beschreibt, dass sich beim Malen oder Komponieren ein Zustand einstellt, in dem das Können des Ausführenden genau im richtigen Maße gefordert ist. Er macht dies fest am Beispiel eines Musikers, dessen Hand beim Komponieren wie von alleine über das Notenblatt fliegt, während er alles um sich herum vergisst – das Paradebeispiel eines „Flow“ und der damit empfundenen Glücksgefühle. Laut Csikszentmihalyi müssen dafür zwei Voraussetzungen gegeben sein: ein hohes Maß an Expertise in einem spezifischen Feld und ein Anspruchsgrad, der den Ausführenden weder über- noch unterfordert. Banalerweise begründet sich Flow in der Begrenztheit menschlicher Aufnahmekapazität. Denn unser Nervensystem kann nicht mehr als 110 Bits pro Sekunde verarbeiten (einem Gesprächspartner zuzuhören erfordert etwa 60). Das heißt, wenn eine Aufgabe uns voll und ganz fordert, haben wir schlichtweg keine Verarbeitungskapazität für anderes mehr frei. Ein schönes Beispiel dafür sind spielende Kinder, die sich zur Gänze einer Puppe oder Legosteinen widmen, und so mit Leichtigkeit die Welt um sich herum vergessen.

Digital Productivity Tools

Für welche Tätigkeiten eignen sich Pomodoro und Flow?

Welche Lehren lassen sich aus der „Flow“-Forschung nun für den Arbeitsalltag ziehen? Eigentlich ganz einfach: Wir müssen das „angemessen Gefordert-Sein“ aktiv suchen und dafür konsequent Zeitblöcke in den Kalender einbauen, in denen wir uns Flow-Tätigkeiten widmen. Wie aber passt dazu der Tomaten-Wecker, welcher uns alle 25 Minuten aus dem Arbeitsmodus herausbimmelt?

Bei der Pomodoro-Technik handelt es sich um eine ergänzende Methode, die für Aufgaben genutzt werden kann, in denen wir bzgl. des Anspruchsgrades nicht im „Flow“-Korridor liegen, sondern entweder überfordert (dann lockt die Aussicht auf die Pause) oder unterfordert (dann motiviert die Pomodoro zu starten) sind. Für Aufgaben, die ein tiefes Eintauchen in die Thematik erfordern, eignet sich hingegen das bewusste Herstellen des „Flow“-Modus besser als die Tomaten-Methode.

In künftigen Beiträgen werden wir auf weitere Techniken zur Fokussierung detaillierter eingehen.

Bis dahin diskutieren Sie gerne mit uns! Welches Tool interessiert Sie am meisten? Mit welchen Methoden, Apps, Ritualen haben Sie gute Erfahrungen gemacht? Wir freuen uns auf einen lebhaften Austausch!

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Ihr Ansprechpartner bei ARKADIA:

Christian Habich | 

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