Zahlungsmethoden 2025 – Bargeldlogistik ist wichtiger denn je

Veröffentlicht von am 12. Dezember 2017 · Kommentieren

Der Hype um neue Zahlungsmethoden führt bis 2025 – entgegen aller Unkenrufe –  nicht zu einem Rückgang der Bargeldtransaktionen. Deshalb müssen sich Banken mehr denn je der Optimierung ihrer Bargeldlogistik widmen.

Bargeld – Schweden ist nicht Deutschland

In Schweden wird nur jede fünfte Zahlung mit Bargeld beglichen. Vor allem bei größeren Summen greifen die Nordländer lieber zu Karte oder Zahlungs-App: Laut der schwedischen Zentralbank macht Cash insgesamt nur noch 2% des Wertes aller Zahlungstransaktionen aus. Ganz anders Deutschland: So schreibt die Bundesbank, dass vier von fünf Zahlungen mit Bargeld beglichen werden. Selbst beim Umsatz liegt der Anteil des Bargeldes an allen Zahlungen noch bei rund 50%.

Worin begründet sich diese unterschiedliche Popularität von Zahlungsmitteln? Worauf muss sich das Bargeldmanagement von Banken einstellen? Auf ein baldiges Verschwinden von Münzen und Noten aus den Portemonnaies der Bundesbürger? Oder darauf, dass auch in acht Jahren Geldautomaten und Einzahlgeräte noch eine vergleichbare Rolle für Bankkunden spielen, wie es heute der Fall ist?

Es gibt wenige quantitative Vorhersagen hinsichtlich der Zukunft des Bargeldes. Hier folgt ein Versuch einer solchen Prognose:

Bargeldversorgung 2025

Seriöse Zahlen über die Entwicklung der Bargeldmenge in Deutschland über das kommende Jahrzehnt gibt es nicht. Daher haben wir einen Korridor skizziert, in dem sich die Bargeldmenge mit hoher Wahrscheinlichkeit bewegen wird. Dessen Obergrenze wird vom deutschen Anteil am Barumlauf in der Euro-Zone markiert. Dieser ist in den kommenden Jahren kontinuierlich gewachsen und zwar mit einer (gewichteten) Rate von 4,3%. Setzt sich dieses Wachstum in den kommenden Jahren fort, würde der deutsche Barumlauf von heute 650 Mrd. Euro bis 2025 auf 850 Mrd. Euro ansteigen.

Natürlich könnte in den kommenden Jahren auch eine disruptive neue Zahlungsmethode eingeführt werden. In Schweden etwa haben die großen Banken gemeinsam die App „Swish“ entwickelt, die Echtzeit-Kontentransfers zwischen Privatpersonen gestattet. Fast die Hälfte der schwedischen Bevölkerung nutzt die App aktiv, selbst in Kirchen findet die Kollekte mit Swish statt. Auch in Deutschland weisen E-Zahlungsmethoden Wachstumsraten von um die 50% auf. Andererseits muss die Einführung einer neuen Technologie nicht dazu führen, dass sich ihr Substitut sofort vom Markt verabschiedet – so ging der Absatz von MP3-Playern nach der Einführung der ersten Smartphones nur langsam zurück, obwohl sich auch mit diesen Musik abspielen lässt. Die meisten Menschen besaßen schlichtweg beide Geräte parallel. Somit gilt: Selbst wenn wir von einer Verminderung der Bargeldmenge im gleichen Maße ausgehen, wie alternative Zahlungsmethoden an Beliebtheit gewinnen (also 50% p.a.), fiele der Bargeldumlauf lediglich auf etwa 450 Mrd. Euro bis 2025.

Damit ergibt sich der oben genannte Korridor und die wichtigste Erkenntnis lautet: Das Bargeldmanagement von Kreditinstituten wird auch in acht Jahren noch Noten und Münzen transportieren – evtl. sogar mehr als heute. Dies gilt trotz demographischer Faktoren und für den Fall, dass eine disruptive elektronische Zahlungsmethode eingeführt werden sollte. Wichtig ist auch, dass in den nordeuropäischen Ländern „Cashless Economy“-Initiativen politisch aktiv gefördert werden. So will die norwegische Regierungspartei Bargeld bis 2030 komplett abschaffen. Seit 2018 sind Geschäfte dort auch nicht mehr verpflichtet, Bargeld anzunehmen, während Online-Rechnungsstellung ermöglicht sein muss. Diese Schritte werden auch von der norwegischen Polizei unterstützt, die sich eine wirksamere Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Schwarzmärkten verspricht. Vergleichbar weitreichende politische Initiativen sind für den deutschen Finanzmarkt unwahrscheinlich, da geldpolitische Vorhaben EU-weit über Brüssel abgestimmt werden müssen.

Rolle SB-Netz bei der Kundenbindung

Sicher absehbar ist aber, dass sich zunehmend Transaktionen vom Schalter auf Geldautomaten verlagern. Das Filialsterben wird diese Entwicklung, die vor allem die Einzahlungen betrifft, weiter befeuern. Bei diesen ist ein Rückgang um 35% am Schalter, aber eine Verdreifachung an den Cash-Recyclern zu erwarten. Umso wichtiger ist für das Bargeldmanagement der Finanzdienstleister die Optimierung der Wertlogistik-Fahrten sowie das Auffinden von Mustern häufiger Störungsursachen an den SB-Geräten.

Abseits von operativer Problemlösung, sind auch grundsätzliche Fragen zu beantworten: Der Nutzen der Banken im Betrieb des SB-Netzes liegt in der verbesserten Kundenbeziehung. Bargeldversorgung bindet in Deutschland die Kunden an die ehemaligen Filialbanken und die zukünftigen SB-Banken. Gerade weil der Aufbau und Betrieb hunderter Automaten einen erheblichen Kostenfaktor darstellt, ist es wesentlich, den erzielten Kundennutzen auch quantifizieren, und damit monetarisieren zu können. Dies erleichtert bankweite Investitionsentscheidungen durch die Beantwortung von Fragen, wie: „Können mehr Kunden gebunden oder neugewonnen werden, wenn X Millionen Euro in die Erweiterung des SB-Netzes oder in die Verbesserung des Online Bankings investiert werden?“

 

Ihr Ansprechpartner für das Thema Bargeldlogistik bei ARKADIA: Arno Eitz |

Lesen Sie auch folgenden Artikel zum Thema Bargeldlogistik:

Die Folgekosten der Bargeldnutzung steigen bei Handel und Banken gleichermaßen

 

Teilen Sie diesen Artikel:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •